Männer sind Faultiere
Es ist Wochenende. Zweite Halbzeit. Die Sonne strahlt seit früh halb acht durch den Türspalt unseres Schlafzimmers und ich döse eigentlich nur noch so vor mich hin. Gegen neun versuche ich, Luke durch liebevolles Rückenstreicheln zu wecken, doch er hält nach einer Weile meine Hand fest, grunzt in sich hinein und schläft weiter. Ich ziehe vorsichtig meine Hand weg und krabbele seufzend aus dem Bett. Wir haben noch so viele Baustellen in unserer Wohnung, da kann ich doch nicht den ganzen Tag verschlafen. Eine Kommode in der Stube und ein Arbeitszimmerschrank müssen noch zusammengebaut werden. Außerdem will ich mir aus gekauften Regalbrettern ein Bücherregal zusammenzimmern, weil es die Art Regal, die mir vorschwebt, nicht zu kaufen gibt.
Aber zuerst sollte ich eine Wäsche anwerfen und den Geschirrspüler ausräumen. Gesagt, getan. Während die Wäsche vor sich hinrumpelt, mache ich es mir in meinem Schaukelsessel bequem und konsultiere mein Biochemiebuch. In einer Woche sind Klausuren, also sollte ich mich an meinen Lernplan halten. Nach den ersten drei Kapiteln ist die Wäsche durch und ich brauche dringend eine Pause. Perfektes Timing.
Sieben T-Shirts, fünf Paar Socken und einige Unterhosen später schläft Luke noch immer. Ich werde langsam ungeduldig, weil ich anfangen möchte, die Kommode zu bauen. Gegen kurz vor elf tapst mein Spatz dann zerknautscht aus dem Schlafzimmer geradewegs ins Bad.
„Gn’morn“, murmelt er vor sich hin und kann kaum die Augen offen halten. Ich muss lächeln.
Eine Weile später bauen wir zusammen die Schränke auf – ich mein Regal und er den Arbeitszimmerschrank. Den Müll und die Verpackungen stapeln wir im Flur. Müll wegbringen gehört – genau wie Staubsaugen – zu Lukes Haushaltsaufgaben und ich weise ihn freundlich daraufhin. Er mag es nicht, bevormundet zu werden.
„Mach ich nachher“, erhalte ich als Antwort. Ich seufze, denn das kenne ich nur zu gut. „Nachher“ kann vieles heißen. Manchmal bedeutet es „morgen, ach nee… übermorgen“, manchmal auch „wenn ich irgendwann in meinem Leben Lust dazu haben sollte“. Warum kann es nicht auch mal „ich erledige das in 2 Minuten“ heißen?
Ich versuche, das einfach zu ignorieren. Vielleicht macht er es ja tatsächlich… nachher. Doch meine Hoffnungen wurden gnadenlos durch ein Knurren von Luke als Reaktion auf eine zweite Aufforderung meinerseits sowie durch sein Mittagsschläfchen zerstört. Wobei Schläfchen noch gewaltig untertrieben ist. Ich hatte währenddessen immerhin die Zeit, den Müll nach draußen zu bringen (und es war viel Müll), das Wohnzimmer komplett zu saugen und meine Akten in den neuen Schrank einzuräumen.
Als mein Beinahegöttergatte später wieder aufwacht, fühlt er sich auch nicht besser als vorher (und ich hatte schon gehofft, er würde wie neu geboren aufspringen und auch mal was erledigen). Er entschuldigt sich zwar, dass er sich nicht um seine Sachen gekümmert hat, so richtig einsichtig scheint er mir aber nicht zu sein.
Ich weiß auch nicht mehr, was ich machen soll. Ich kann ihn ja nicht den ganzen Tag zurechtweisen, dann will er irgendwann vielleicht gar nicht mehr nach Hause kommen, weil dort ja nur sein zickiges Hausweibchen wartet :) Auf der anderen Seite… Ist es denn zuviel verlangt, dass Luke auch ein bisschen mehr im Haushalt hilft? Dass er zum Beispiel mal alleine auf die Idee kommt, den Tisch zu decken oder hinterher wieder abzuräumen. Oder dass er selbst sieht, wenn der Müll voll ist. Aber Männer sind vielleicht einfach so. Ihre Augen nehmen Unordnung nicht wahr – und wenn sie es tun, dann wird die Information auf dem Weg zum Gehirn umgearbeitet und mit dem Schild „unwichtig“ versehen.
Ach ja.
Mit dieser Einsicht lasse ich mich auf die Couch fallen, neben Luke, der es sich seit knappen zwei Stunden vor dem Fernseher bequem gemacht hat.
„Na Maus“, lächelt er mich an. Ich versuche auch zu lächeln, bin aber zu müde.
Luke richtet sich auf und schiebt mich auf dem Sofa ein Stück nach vorne. Dann krabbelt er hinter mich, ein Bein links, eins rechts, und fängt an, meine Schultern zu massieren. Eine ganze halbe Stunde nimmt er sich für mich Zeit.
„Muss dich doch ein bisschen belohnen, wo du heute soviel gearbeitet hast“, flüstert er mir ins Ohr und nimmt mich in den Arm.
Und ich weiß plötzlich gar nicht mehr, was ich eben noch für Argumente gegen Männer im Kopf hatte.